Schafzuchtverband Berlin-Brandenburg e.V.

Schafe und Ziegen in der Landschaftspflege und die Rückkehr des Wolfes

Datum: Sonntag, 10. März 2013, 16:09 Uhr | Kategorie: Schaf- und Ziegenhaltung, Wolf | Kommentar: Keine Kommentare

Diskussionsmaterial für das Themenprogramm

1.    Gerade in den ostdeutschen Bundesländern, aber auch in Süd-Deutschland sind große Raubtiere wie der Wolf aber auch Luchs und sogar der Bär in einer Phase der Rückbesiedlung.
2.    Dieser Prozess, begünstigt durch die Einheit in Europa, wird in Deutschland durch verschiedene Organisationen und auch Umweltbehörden unterstützt.
3.    „Nach rund 150 Jahren wurden im Jahr 2000 in Deutschland erstmals wieder Wolfswelpen von einer in Freiheit lebenden Wölfin geboren. Die Geburt der Jungwölfe in der sächsischen Oberlausitz war der Beweis, dass sie wieder heimisch geworden sind. Derzeit leben wieder etwa 35 Wölfe in Deutschland.

Ob Wölfe in Deutschland tatsächlich überleben können, steht noch nicht fest. Sie sind vielen Gefahren ausgesetzt, vor allem durch illegale Abschüsse und Straßennetze, die ihren Lebensraum durchschneiden.

Neben einer bundesweiten Kampagne mit Informationen zur Wiedereinwanderung wird ein Netzwerk von NABU-Wolfsbotschaftern aufgebaut. Außerdem setzt sich der NABU für den Erhalt geeigneter Lebensräume des Wolfes ein.

Helfen auch Sie mit, dem Wolf in Deutschland eine Heimat zu schenken“. http://www.nabu.de/aktionenundprojekte/wolf/helfen/patenschaft/index.html?gclid=CIin54TLlq0CFVQLfAod0AOzmA
4.    Wölfe kennen keine Reviergrenzen und so wird gerade die landschaftspflegende Tierhaltung lernen müssen mit dem Wolf zu leben. Schafe und Ziegen sind die besonders betroffenen Tiere und somit haben die Schäfer ein weiteres Problem, die Beweidung von Landschaftsflächen zur Erhaltung der Biodiversität ohne unliebsame Ereignisse durchführen zu können. Denn Wölfe sehen Schafe und Ziegen als Beute an und können neben der eigentlichen Vertilgung von geschlagenen Tieren eine Vielzahl von Tieren einer Herde im Jagdrausch töten oder Verstümmeln. Das Zusammenleben von Schafen und Ziegen mit dem Wolf ist somit durchaus Tierschutzrelevant.

5. Herdenschutzmassnahmen – Erfahrungen aus der Schweiz
Nach den ersten größeren Schäden an Nutztieren durch den Wolf in den Jahren 1995-97 wurden unterschiedliche Erfahrungen mit verschiedenen Herdenschutzmaßnahmen gesammelt.

Dabei hat sich herausgestellt, dass vor allem Herdenschutzhunde und hohe elektrische Zäune einen guten Schutz leisten können. Seither hat sich der Einsatz von Herdenschutzhunden, häufig in Kombination mit einer Behirtung und Nachtweiden, bewährt und professionalisiert.

Ein erfolgreicher Schutz bleibt aber abhängig von den betrieblichen, topographischen, ökologischen und sozioökonomischen Faktoren. Die Präsenz eines Hirten ist eine optimale Ausgangslage, um die Herden vor Raubtierangriffen effektiv schützen zu können. Bleiben die Schafe zusammen und bilden eine homogene Herde, vereinfacht sich der Herdenschutz zusätzlich http://chwolf.org/woelfe-in-der-schweiz/herdenschutz/verhaltensregeln

6. Herdenschutzhunde zur Abwehr von Eindringlingen
Nach:Kerstin Tautenhahn Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft,Institut für Tierzucht Dezember 2009, http://chwolf.org/woelfe-in-der-schweiz/herdenschutz/verhaltensregeln

a.    Schutzhunde werden seit Jahrtausenden eingesetzt, um Nutztiere vor Großbeutegreifern und Diebstahl zu schützen. Ihre Schutzwirkung beruht dabei in den seltensten Fällen auf ihrer Überlegenheit im direkten Kampf mit den Großbeutegreifern.

b.    Der Herdenschutzhund lebt permanent mit der Herde und verteidigt diese gegen Angriffe. In der Schweiz schützt er seine Herde vor Wolf, Luchs, Bär, Fuchs, wildernden Hunden und Raubvögeln wie Kolkrabe oder Adler.

c.    Von Geburt an wird er geprägt auf das Umfeld der Nutztiere, denn die enge soziale Bindung zu den Schafen ist zentral für seine Aufgabe als Herdenschutzhund. Die Bindung zum Menschen beschränkt sich auf ein Minimum.

d.    Sein Schutzverhalten ist vererbt und muss ihm nicht beigebracht werden. Ein Herdenschutzhund arbeitet sehr selbständig und schützt die Herde indem er sein Territorium markiert, durch abschreckendes Bellen und Dominanzverhalten gegenüber dem Angreifer. Zum Kampf kommt es selten.

e.    Es gibt über 30 verschiedene Herdenschutzhunderassen, die meisten davon stammen aus Europa und Asien.

f.    In Zusammenarbeit mit einem Hirten und einem Nachtpferch stellen Herdenschutzhunde daher einen sehr effektiven Schutz dar.

g.    Da die Haltung von Herdenschutzhunden jedoch auch Probleme mit sich bringen kann, sollten die Vor- und Nachteile für den einzelnen Betrieb sorgfältig abgewogen werden. Eine erste Beratung und Vermittlung zu erfahrenen Züchtern kann durch die staatlichen Fachberater für Schaf-, Ziegen und landwirtschaftliche Wildhaltung erfolgen.

Was unterscheidet einen Herdenschutzhund von einem Hütehund?
Für welche Schafhaltungsformen eignen sich Herdenschutzhunde?
Was macht einen guten Herdenschutzhund aus?
Welche Probleme können durch Herdenschutzhunde entstehen?

7.    Was unterscheidet einen Herdenschutzhund von einem Hütehund?

a.    Herdenschutzhunde unterscheiden sich grundlegend von Hüte- bzw. Koppelgebrauchshunden.
b.    Hütehunde (Altdeutsche Hütehunde, Deutsche Schäferhunde, Border Collies) werden für die Herdenführung eingesetzt. Sie sind auf den Hirten fixiert und erfahren von ihm eine intensive Ausbildung.
c.    Dagegen verstehen sich Herdenschutzhunde (z.B. Maremmano Abruzzese, Patou des Pyrénées, hinten im Bild) als Teil der Schafherde. Sie verteidigen diese und das entsprechende Gebiet vehement und werden ausschließlich für diesen Schutz gehalten.
d.    Die Wesensunterschiede und die verschiedenen Anforderungen an einen Hüte- bzw. Herdenschutzhund sind der Grund dafür, dass selbst erfahrene Hütehundehalter sich intensiv mit der Herdenschutzhundthematik auseinandersetzen müssen, um Probleme bei der Haltung dieser Tiere zu vermeiden.
e.    Charakteristisch ist auch heute noch das Verhaltensrepertoire:

 

  • Mißtrauen gegenüber allem Fremden, eigenständiges Handeln,
  • blitzschnelles Umschalten aus ruhigem, phlegmatischem Verhalten in eine höchste Alarmbereitschaft,
  • eine Verteidigungsbereitschaft und massives Bellverhalten bei Gefahr,
  • territorial motivierte Angriffsbereitschaft besonders mit Einbruch der Dämmerung. (Die Welt der Herdenschutzhunde, Einige Ratschläge zu ihrer Haltung und Erziehung von Günther Bloch

8.    Für welche Schafhaltungsformen eignen sich Herdenschutzhunde?

  • a. Herdenschutzhunde kommen in nahezu jedem Gelände zurecht und organisieren die Verteidigung der Herde selbstständig.
  • b. Voraussetzung für die Schutzwirkung ist, dass die Hunde immer bei den Schafen verbleiben.
  • c. Sie können sowohl in der Koppel- als auch in der Hüte- und Almhaltung eingesetzt werden. Auch wenn die Anwesenheit eines Hirten den Schutz verbessert, ist es inzwischen mit Hilfe von Futterautomaten möglich, die Hunde auch auf Koppeln und Almen ohne permanente Hirtenanwesenheit zu halten.
  • d. Dies ist aus Kostengründen vor allem für kleinere Herden interessant. Auf solchen Flächen sollten jedoch nur besonders geeignete Hunde verwendet werden.
  • e.  Die Größe der zu schützenden Herde (und die Anzahl der Großbeutegreifer in der Region) entscheidet darüber, wie viele Herdenschutzhunde benötigt werden. Dabei werden immer mindestens zwei Hunde zusammen gehalten, wenn möglich ein Welpe und ein erwachsener Hund. Ab einer Herdengröße von 500 Schafen sollten zwei bis drei, ab 1.000 Schafen eher drei bis vier Hunde eingesetzt werden. Die Haltung von einzelnen Hunden ist nicht nur aus tierschutzfachlichen Aspekten abzulehnen, sondern auch, weil der einzelne Hund nicht genügend Auslastung erfährt und in Folge dessen oftmals die Nutztiere belästigt.

9.    Was macht einen guten Herdenschutzhund aus?

  • a.  Herdenschutzhunde müssen eine gründliche Ausbildung erfahren. Neben der Befolgung der grundlegenden Befehle, ist vor allem die Leinenführigkeit sowie das Gewöhnen am Transport im Auto für die tägliche Arbeit wichtig.
  • b.  Der Hund muss außerdem seine Stellung im System Tierhalter – Schafe – Hütehunde – Herdenschutzhunde erkennen (Sozialisation). Dabei kann ihn der Tierhalter unterstützen, indem er bei richtigem Verhalten lobt (z.B. Knurren gegenüber Wildtieren) und bei unerwünschtem Verhalten korrigiert (z.B. zu großer Spieltrieb mit Schafen).
  • c. Für die Beziehung zwischen Tierhalter und Herdenschutzhund muss ebenfalls das richtige Maß an Nähe gefunden werden. Dies macht deutlich, dass gerade zu Beginn der Hundehaltung viel Zeit für die Beobachtung und Erziehung der Hunde eingeplant werden muss.

10.     Wichtigste Anforderungen

  •  Gehorsam gegenüber Halter
  •  Zugehörigkeitsgefühl zur Nutztierherde
  • hohe Aufmerksamkeit
  • Erkennen und Fernhalten von Störungen
  • geringe Aggressivität gegenüber Menschen außerhalb der Herde
  • Verträglichkeit mit eventuell vorhandenen Hütehunden

11.    Welche Probleme können durch Herdenschutzhunde entstehen?
a. Konfliktsituationen, die bei der Haltung von Herdenschutzhunden auftreten können, sind beispielsweise

  • Drohungen und Angriffe gegenüber fremden Menschen,
  • Ausbrechen der Hunde aus der Herde,
  • Misshandlungen der Nutztiere,
  • Aggressivität gegenüber Hütehunden, vermehrte Lärmbelästigung usw.

b. Diese Probleme können sowohl auf den Halter (ungenügende Information und Motivation) als auch auf den Hund (ungeeignet, falsch erzogen) oder auf fremde Personen (z.B. Fehlverhalten von Touristen) zurück zu führen sein.

c.    Viele dieser Konflikte können durch den Kauf bei einem anerkannten Züchter sowie einer intensiven Beschäftigung mit dem Wesen der Hunde und durch das Informieren der Öffentlichkeit vermieden werden.

d.    Zudem ist die Korrektur von Fehlverhalten mit Hilfe erfahrener Züchter prinzipiell möglich.
Ungeachtet dessen, muss sich der interessierte Nutztierhalter bewusst sein, dass selbst in Würfen von Herdenschutzhunden aus einer bewährten Arbeitslinie immer Einzelindividuen dabei sein können, welche nicht als Herdenschutzhunde geeignet sind.

e.    Diese Tiere müssen streng selektiert werden und sollten nicht zum Einsatz kommen. „Günstige“ Privatangebote ziehen erfahrungsgemäß nicht nur Ärger, sondern auch hohe Folgekosten nach sich, da der Nutztierhalter für alle Schäden, die der Herdenschutzhund verursacht, haftet. Eine Aufnahme in die Betriebshaftpflichtversicherung ist in jedem Fall anzuraten.

12.    Informationen für Wanderer

herdenschutzhund

13.    Weiterführende Informationen

  • Nationale Koordination Herdenschutz, AGRIDEA Schweiz
  • Herdenschutzzentrum Jeizinen, Schweiz – Informationen über über Zucht, Ausbildung, Korrektur von Schutzhunden
  • Informationen zur Schutzhunderasse Maremmano Abruzzese
  • Gesellschaft zum Schutz der Wölfe e.V. (GzSdW) – Broschüre über Herdenschutzhunde
  • WWF Schweiz, Zürich – Herdenschutz-Leitfaden (s. Link in der Rubrik Downloads)
  • NetzNatur-Sendung: „So kommt der Wolf auf den Hund….“

Ansprechpartner:
Vorsitzender Schäfermeister Jan Greve:
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Tele.: 03391-357562 oder 015155141681.

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