Schafzuchtverband Berlin-Brandenburg e.V.

Gut besuchter Groß Kreutzer Schaftag

Datum: Dienstag, 20. November 2012, 15:49 Uhr | Kategorie: Rückblick, Schafhaltung, Veranstaltungen | Kommentar: Keine Kommentare

Am 8. November  trafen sich 80 Schafhalter  zum diesjährigen Schaftag in Groß Kreutz. Im Praxisteil wurden Erläuterungen zum Weidezaunbau in Wolfsgebieten sowie zu einem neuartigen Behandlungsstand aus Großbritannien gegeben.

Die Weidetierhalter müssen sich  zunehmend auf die Anwesenheit des Wolfes einstellen. Neben den Herdenschutzhunden reduziert ein gut funktionierender Elektrozaun die Wahrscheinlichkeit von Schafsrissen durch Wölfe. Die Herde von Schäfermeister Jan Greve blieb bis heute vom Wolf verschont. Eine entscheidende Ursache hierfür dürfte die gute Erdung gewesen sein, die mit Hilfe einer zusätzlichen umlaufenden Bodenlitze erreicht wurde. Die Industrie bietet inzwischen  Netze verschiedener Höhen  mit integrierten Bodenlitzen  an. Auf Wunsch werden sogar 1.70 m hohe Elektroknoten-gitternetze hiermit ausgestattet.

An der zweiten Station stellte Mr. Stuart Pickering aus Großbritannien seinen Klauen-Behandlungsstand vor. Neuartig an dieser Variante sind die erhöhte Stellung der Tiere im Behandlungsstand in Bezug zum Schäfer und die andersartige Fixierung des Schafes. Im Unterschied zur bisher bekannten Behandlungsständen wird das Schaf vergleichsweise „sanft“ über die abgesenkte Seitenwand in eine Halterung „gekippt“ bzw. gedreht, in welcher es auf dem Rücken zum Liegen kommt. Die Schafe sind auch bei nachfolgenden Behandlungen in der Anlage erfahrungsgemäß weniger scheu. Die erhöhte Stellung des Schafes  entlastet den Rücken des Schäfers und ermöglicht insgesamt  eine entspanntere Arbeitshaltung (siehe auch Bilder  unter „Galerie – Groß Kreutzer Schaftag“.

Den Vortragsteil eröffnete Zuchtleiter Prof. Peters mit dem Bericht zur erfolgreichen Zuchtarbeit 2012. Der Zuchttierbestände bei Schaf und Ziege sind im vergleich zu 2012 leicht gestiegen. Das Zuchtwartsystem hat sich auch im dritten Jahr bewährt. Nach wie vor übernehmen die Zuchtwarte insbesondere die Betreuung der Zuchten im Hobby- und Nebenerwerb. 2012 wurden 8 Regionalveranstaltungen durchgeführt. Zuchtleiter und Zuchtwarte nahmen bis zum 31.10.2012 auf Regionalveranstaltungen und bei Hofbesuchen 580 Herdbuchaufnahmen und 116 Bockkörungen vor. In nahezu allen Positionen der Leistungsprüfung übertrafen die Aktivitäten den prognostizierten Prüfumfang. Mit der Entwicklung der Zuchtwertschätzung durch das VIT Verden werden zukünftig die ermittelten Daten aus der Leistungsprüfung noch effizienter verwertet.

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Dr. Jurkschat vom Referat für Tierzucht, Tierhaltung und Fischerei des LELF wertete die Untersuchungen zur Heidebeweidung aus. Brandenburg hat mit 9.630 ha „Trockene Heiden“ mehr Fläche dieses FFH -Lebensraumtyps als Niedersachsen. Derzeit werden ca. 4650 ha mit Schafen beweidet. Die Schafbeweidung erweist sich als sehr wirksam und flexibel in Bezug auf die Pflegeziele. Biomasseentzug und Verbiss der Gehölze sind durch Wahl des Beweidungsverfahrens (Hüten/Koppeln) der Besatzdichte, der Beweidungsdauer sowie des Beweidungszeitpunktes beeinflussbar. Das Nährstoffangebot auf der Heide ist auch für kleine Landschafe relativ gering. Bei längerer geschlossener Beweidungsperiode auf der Heide ist die Erzeugung vermarktungsfähiger Heidschnuckenlämmer innerhalb einer Vegetationsperiode kaum möglich. Die Einträge von Pflanzennährstoffen über die Luft betragen in ostdeutschen Heiden nur ein Drittel der Werte in nordwestdeutschen Heiden. In ostdeutschen Heiden ist ein Gleichgewicht zwischen Nährstoffeintrag und Nährstoffaustrag mittels Schafbeweidung realisierbar. Zur finanziellen Absicherung der Heidebeweidung sind auch zukünftig entsprechende  Pflegeprogramme aufzulegen.

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Linda Schalow –Biologiestudentin an der Universität Potsdam – gab einen Bericht zum Zwischenstand der Bearbeitung des Themas „Schafbeweidung von Freilandphotovoltaikanlagen“. Die Schafbeweidung wird vom größten Teil der Anlagenbetreiber als sehr attraktiv eingeschätzt. Das gute ökologische Image des Pflegeverfahrens  Schafbeweidung passt sehr gut zur ökologischen Stromerzeugung. Außerdem erscheint  das Verfahren wirtschaftlicher als mechanische Pflegemaßnahmen. Dieser Vorteil verstärkt sich bei unwegsamem  bzw. steinigem Gelände. Auch unter dem Aspekt der Diebstahlssicherung ist die Schafbeweidung von Vorteil. Die Unterkante der Paneele sollte so hoch sein, dass die Schafe bequem darunter durchlaufen. Bei Dünnschichtmodulen ohne Rahmen  verhindern Schienen an der Unterkante der Paneele im Falle geringer Höhe entsprechende Schäden. Freihängende Kabel müssen vermieden werden, da die Schafe  daran hängen bleiben könnten. Der Schafhalter muss die entstehenden Kosten streng kalkulieren, um vor den Verhandlungen zum Pflegesatz den unteren Schwellenwert zu kennen, ab welchem die Beweidung des betreffenden Solarparks für ihn rentabel wird.

Im letzten Vortrag stellte der Vorsitzende des Schafzuchtverbandes Berlin-Brandenburg – Jan Greve die Forderungen der Schaf- und Ziegenhalter zum Wolfsmanagementplan dar. Für finanzielle Absicherung von Präventionsmaßnahmen der Weidetierhalter (z.B. wolfssichere Zäunung, Nachtpferche)  muss ein ausreichend ausgestatteter Haushaltstitel garantiert sein. Es sollten eindeutig abgrenzbare Wolfsgebiete ausgewiesen die zulässige Größe der Wolfspopulation festgelegt werden. Es müssen Regelungen zum Umgang mit Wölfen außerhalb der ausgewiesenen Wolfsgebiete geschaffen werden. Auch die Schaffung von Regelungen zur  raschen und unbürokratischen Entnahme von Problemwölfen darf kein Tabu sein.

 

Beschreibung Harrington Klauenpflegestand ausgehend von Schäfertag BB am 8.11.2012 in Groß Kreutz

Aufbau:

Der Klauenpflegestand ist als Einachs-PKW-Anhänger aufgebaut mit kleinen Laufrädern aufgebaut. Die vorgeführte Version verfügt über einen Kippstand, einen vorgelagerten Stand für ein „Leitschaf“ sowie über eine Rampe.  Die Plattform rechts vom Kippstand kann als Ablage oder zum Scheren verwendet werden, hauptsächlich ist sie für einen breiteren Radstand und somit ruhigere Laufeigenschaften gebaut.

Elektrische Beleuchtung ist nicht installiert, da in Großbritannien nicht vorgeschrieben. Für Deutschland müsste Anlage nachgerüstet und bei TÜV abgenommen werden. In Baden-Württemberg sind diese Verfahren aber anstandslos genehmigt worden.

Funktion:

Die Schafe werden von hinten in den Stand getrieben. Quersprossen in der Rampe dienen dazu, dass die Tiere den richtigen Abstand einhalten. Wenn das Schaf im Stand steht, wird über ein Fusspedal die seitliche Begrenzung nach oben bewegt. Mit der linken Hand dreht man den Kopf des Schafes nach rechts, mit der rechten Hand greift man in die rechte Flanke des Schafes. Durch die Schwerpunktverlagerung wird das Schaf auf die Wippe gedrückt, gedreht und rücklings in die Behandlungs“wanne“ gelegt. Die Vorderfüße können über einen Bügel arretiert werden. Die Wanne wird aus zwei gebogenen Bügeln gebildet, in Nacken- und Beckengegend sind keine Metallteile. Sie ist in Höhe und Breite verstellbar. Nach der Behandlung wird die Wanne nach vorne gekippt und das Schaf verlässt den Platz in der Richtung, wo es hergekommen ist.

Aussagen zur Händelbarkeit:

Um die Kippbewegung flüssig und schonend durchzuführen, braucht man ein paar Schafe Übung. Wichtig ist, dass man das Schaf nicht reißt oder in die Wanne schmeißt. Anwesende Schäfer hatten schon beim zweiten Schaf den Dreh raus. Der Hersteller behandelt nach eigener Aussage (und guter Routine) bei einfachem Klauenschnitt 40-50 Schafe pro Stunde. Ausserdem habe er in England  (zu zweit) die Schwanzschur für 3500 Schafe in 2,5 Tagen  geschafft.

Den Bügel für die Arretierung der Vorderbeine nutze er so gut wie gar nicht. Da er leicht an die Flanke des Schafes gelehnt arbeitet, führt der Druck meist zum Stillhalten.

Die Einstellung der Bügel erfolgt einfach über Muttern. Wenn sowohl Altschafe als auch Zutreter behandelt werden sollen, sollten die Bügel in eine mittlere Position eingestellt werden. Da die Bügel hinten eckig sind, wurde von anwesenden Schäfern nach der Gefahr von Blutergüssen gefragt. Das sei grundsätzlich kein Problem, man könne aber mit Rohrisolierung eine Polsterung einbauen.

Der Hersteller gab an, dass er das Gerät ach zum Drenchen verwende, da nach seiner Erfahrung die Eingabe in Rückenlage seltener zu Verschlucken führe.

Ausserdem sei das Verfahren auch für hochträchtige Schafe bis ca. fünf Wochen vor der Lammung anwendbar, da im Gegensatz zu anderen Verfahren kein Bügel in die Flanke des Tieres gedrückt würde.

Benno Waurich

Bestellung:
Die Anlage (Behandlungsstand +  Rampe + Trailer) kann bis zum 10.12.2012 über den Schafzuchtverband Berlin-Brandenburg bestellt werden. (Kosten: z.Zt. circa 1800 € + Fracht, Frachtkosten abhängig von der Anzahl bestellter Anlagen) . Mögliche Lieferung nach Groß Kreutz bis Ende Februar 2013.

Die 3 Vorträge zum Groß Kreutzer Schaftag 2012 finden Sie hier:
Schafbeweidung in Solarparks Schalow
(.pdf Dokument, ~4MB)
Ergebnisse der Zuchtarbeit 2012 (.pdf Dokument, 587KB)
Auswertung Heideversuch Schaftag 2012 (.pdf Dokument, 12.4MB)

Alle Bilder zum Groß Kreutzer Schaftag:

Vortragstagung:

Demonstration Stand:

Demonstration Zaunbau:


M. Jurkschat

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